150 Jahre UNIVERSITÄTS SPORTINSTITUT WIEN – Ein historischer Überblick

150 Jahre UNIVERSITÄTS SPORTINSTITUT WIEN

Franz BENDA

Ein historischer Überblick

Die "versuchsweise Einführung des Turnunterrichts an der Wiener Hochschule... " 1), mit der Rudolf von STEPHANI per Ministerialerlaß vom 24. September 1848 (Z.615711650) betraut wurde, gilt als die Geburtsstunde des Universitäts- Sportinstituts Wien (ehemals "Universitäts-Turnanstalt").

Das Universitäts-Sportinstitut war gegründet, aber mit ihr nicht nur die Institution, sondern eine Idee:

,ein geregelter freiwilliger Studentensport als Ieich zum Studium"

Zwischen der Gründung im Jahr 1848 mit zunächst 150 ewählten Universitätshörern und dem heutigen Status-quo, einem

Angebot von mehr als hundert verschiedenen Sportarten und 50 000 Inskriptionen pro Jahr, liegt eine wechselhafte

Geschichte.

,Die Biographie war von Beginn an abhängig von der politischen Situation des Landes, seinen finanziellen Mitteln und der

Gesinnung ministerieller Entscheidungsträger. Weiters ist die Entwicklung untrennbar verbunden mit dem Ausbau und der

Entwicklung der Leibesübungen, bzw. des Sports im Allgemeinen. Nichtsdestotrotz ist derAufschwung geprägt vom

Engagement und dem Geschick einzelner Persönlichkeiten und effizienter Teamarbeit " 3)

Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg

Rudolf von STEPHANI (1848-1855)

Wie schon anfänglich erwähnt, begann der preußische Turnlehrer Rudolf von Stephani mit 150 ewählten Studenten im

Herbst 1848. Der Versuch schien Früchte zu tragen, denn schon im Wintersemester 1849/50 stieg die Zahl der Teilnehmer

am Turnbetrieb auf 550. 4)

Daraufhin wurde Stephani per Erlaß vom 8. Juli 1850 zum ersten "staatlich besoldeten Turnlehrer" an der Universität Wien

ernannt. 5)

Während in der ersten Zeit nur in einer Halle geturnt werden konnte, wurde im Jahr 1851 ein Sommerturnplatz im

Obstgarten des Theresianums eröffnet. 6 ) 1854 konnten im Theresianum auch Räumlichkeiten für den Winterturnbetrieb

angemietet werden. Um den Ansturm bewältigen zu können, wurden Hilfsturnlehrer auf privatrechtlicher Basis angestellt.

Einer von ihnen, Johann Hoffer, erhielt eine "provisorische Assistentenstelle" mit staatlicher Bezahlung. 7 ) Als am 25. Juni

1855 Stephani völlig überraschend starb, wurde Hoffer mit der interimistischen Leitung der Turnanstalt betraut. 8)

Gustav STEGMEYER (1855-1871)

Nicht der provisorische Leiter, sondern der preußische Eiselenschüler Gustav Stegmeyer, wurde im November 1855 mit der

Stelle des Leiters der Turnanstalt betraut. Auf Grund des schroffen und undiplomatischen Auftretens Stegmeyers mit

Behörden und Professoren kam es zu einem starken Rückgang. 9) Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch einen

Ministerialerlaß vorn März 1859, der die Unterstützung von Turnanstalten durch den Staat untersagte. 10) 1860 wurde

dieser Erlaß zwar abgeschwächt, aber die großen finanziellen Sorgen blieben. Zusätzliche Konkurrenz erhielt die

Turnanstalt durch neu entstandene Vereine, deren Existenz durch das "Feberpatent" von 1861 ermöglicht wurde. Durch

seine undiplomatische Art kam Stegmeyer auch in Zerwürfnis mit der Direktion des Theresianums, was 1865/66 die

Aufkündigung des - seit 1851 benützten - Sommerturnplatzes zur Folge hatte. 11) Später sollten auch die beiden

Winterturnsäle verloren gehen. Der Verlust der wichtigsten Sportstätten und eine Blütezeit der Turnvereine, welche durch

das "Vereinsgesetz" innerhalb der,Dezemberverfassung" von 1867 - nur mehr die Anmeldung bei der politischen Behörde

war notwendig - hervorgerufen wurde, gab der Turnanstalt den längst fälligen Todesstoß. Deprimiert reichte der noch nicht

Sechzigjährige Gustav Stegmeyer seinen Rücktritt ein und beendete eines der trostlosesten Kapitel der UTA-Geschichte.

Johann HOFFER (1871-1891)

Johann Hoffer, der schon 1855 kurzfristig mit der provisorischen Leitung des Institutes beauftragt worden war, wurde

erneut 1871 mit dieser Aufgabe betraut. Ferner wurde er mit der Leitung des - 1871 ins Leben gerufenen - "Turnlehrer -

Bildungskurses" beauftragt und vom akademischen Senat zum Mitglied der Prüfungskommission für das Lehramt Turnen an

Mittelschulen ernannt. 12) Hoffer, der zur Zeit seiner ersten provisorischen Leitung auf ein blühendes Institut mit 300

Teilnehmern am Turnbetrieb zurückblicken konnte, stand ein niederschmetternder Anfang bevor. Kaum Teilnehmer und

eine triste Übungsstättennot waren das Erbe Stegmeyers. In nur wenigen Jahren gelang es Hoffer, die Teilnehmerzahlen

zu erhöhen. Seine Beliebtheit im Akademischen Senat half weiter das Ansehen der Turnanstalt steigern. Nach der

Fertigstellung der Universität am Ring (1884), konnten ab Mai 1885 die zwei neuen Turnsäle benutzt werden. Dies hatte

einen großen Aufschwung zur Folge. Im Wintersemester 1885/86 verdoppelte sich die Teilnehmerzahl. Im März 1886

wurde Hoffer zum Direktor ernannt. 13)

Es wurden mehrere Hilfsturnlehrer bewilligt - unter ihnen auch Gustav Lukas, der Nachfolger Hoffers. Das Wirken Hoffers

fällt zeitlich mit dem Aufkommen nationaler und antisemitischer Strömungen an der Universität zusammen. Er verstand es

jedoch geschickt, diese abzuwehren. Nach einer schweren Erkrankung übertrug Hoffer die Agenden des Institutes an

Gustav Lukas, seine rechte Hand. 14) Im April 1891 verstarb Hoffer.

Rudolf von STEPHANI

(1848-

1855)

Johann HOFFER

(1871-

1891)

Gustav LUKAS

(1891-

1914)

Rudolf OTEPKA sen.

(1945-

1970)

Gernot SCHINDLER

(1970-

1980)

Franz SCHMETTE

(1980-

1989)

Rudolf OTEPKA jun.

(1990-

1997)

Fritz KAISER (ab 1997)

Gustav LUKAS (1891-1914)

Um den vakanten Posten bemühten sich fünf Bewerber, wobei nur Gustav Lukas und Jaro Pawel wegen ihrer hohen

Qualifikation in Frage kamen. Tatsächlich wurde Lukas bevorzugt. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürften politische Gründe

ausschlaggebend gewesen sein. Pawel hatte sich durch seine Tätigkeit als Turnwart im Wiener akademischen Turnverein -

der 1888 wegen seiner antisemitischen Einstellung (Arierparagraph) aus der "Deutschen Turnerschaft" eschlossen wurde -

sicherlich geschadet. Lukas widmete sich zunächst vorrangig dem "Turnlehrer-Bildungskurs". Er übersiedelte die

Turnlehrerausbildung in die Räumlichkeiten der Universitäts-Turnanstalt und unterrichtete doppelt so viele Stunden in der

Ausbildung wie im freiwilligen Studentensport 15). Dennoch kam es zu steigenden Teilnehmerzahlen in der UTA -

wahrscheinlich wegen der damals hochmodernen Turnsäle. 1895 wurden diese sogar mit elektrischem Licht versehen. 16)

Die von Lukas beim Ministerium eingereichten NeuerungsvorschIäge 17) wurden akzeptiert:

Erhöhung der Übungsbeiträge

Verdoppelung der Übungsbeiträge für NichtstudentenInnen

Einhebung eines "Geräteabnützungsbetrages"

Vermietung der Turnsäle (gegen Bezahiung) an akademische Turnvereine.

In den letzten Jahren seiner Direktion war Lukas - trotz steigender Teilnehmerzahlen - mit Geldsorgen gequält. Die vom

Staat zugesicherten Dotationen reichten nicht mehr aus, um einen qualitativ hochstehenden Unterricht zu bieten. Auch die

Raumnot wurde größer und sanitäre Probleme standen an. Durch eine im Turnunterricht erlittene Verletzung trat er vom

aktiven Unterricht zurück. 18) Der beginnende Weltkrieg hinterließ auch an der Universitäts-Turnanstalt seine Spuren. Der

Betrieb wurde stillgelegt, die Turnsäle in ein Lazarett und ein Lebensmitteldepot umfunktioniert und der Direktor beurlaubt.

19)

Die Zwischenkriegszeit (bis 1938)

Nach dem Zerfall der Donaumonarchie bedurfte es einiger Jahre bis der Wiederaufbau des freiwilligen Studentensports ein

zentrales Anliegen der Universität wurde. Nach der Bestellung des bedeutendsten österreichischen Sporthistorikers und

wichtigen Mitarbeiters der Turnerneuerung, Dr. Erwin Mehl, zum provisorischen Leiter der Turnanstalt im November 1922,

vergingen 2 Monate härtester Anstrengungen bis endlich im Jänner 1923 die Anstalt wieder eröffnet werden konnte. 20)

Große Unterstützung erhielt Mehl von der "Deutschen Studentenschaft". Dieser Vorläufer der "Hochschülerschaft" , welcher

1920 gegründet wurde, war so mächtig, daß er "von den akademischen Behörden in Österreich als allgemeine

Vertretungsinstanz anerkannt wurde." 21)

Schon 1922 hatte die Deutsche Studentenschaft das sogenannte Amt für " Leibeserziehung" (AfL) gegründet. Man könnte

dieses mit dem heutigen Sportreferat der ÖH vergleichen. An jeder Wiener Hochschule wurde ein Amt für "Leibesübungen"

eingerichtet. Über diesen Ämtern stand das Amt für Leibesübungen der "Wiener Hochschulen" 22)

Das AfL, organisierte Übungsbetriebe in Turnhallen und auf Sportplätzen, betrieb ein Freibad und verwaltete ein Bootshaus

in der Kuchelau. Auch für die Austragung lokaler Hochschulwettkämpfe war das AfL zuständig. Die enge Zusammenarbeit

MehIs mit den Ämtern für Leibesübungen erbrachte einen großen Aufschwung des freiwilligen Studentensports.

Gemeinsam gelang es, das Angebot an Übungsstätten stark zu erhöhen. Auch der Ausbau der Räumlichkeiten in der

Universitäts-Turnanstalt ging zügig voran.

Neben den zwei mit Geräten gut bestückten Turnsälen wurden 4 Umkleideräume und ein großer Hygienebereich

eingerichtet. 23) Als Hilfskräfte im Unterricht standen MehI die "Turnerneuerin" Margarete Streicher (Frauenturnen) sowie

zwei Sportlehrer für Selbstverteidigung und Boxen zur Seite. Im Wintersemester 1924/25 wurden erstmals Skikurse in

Saalbach und St. Christoph am ArIberg angeboten.

Per 1. Jänner 1927 wurde Erwin MehI zurn definitiven Leiter der UTA ernannt. 24) Im Wintersemester des gleichen Jahres

wurde ein Turnbetrieb für das akademische Lehrpersonal ins Leben gerufen. "Die zunehmende innenpolitische

Radikalisierung und das Erstarken des Nationalsozialismus" machten auch vor den Toren der Alma Mater nicht halt. 25)

Eine Folge war die behördliche Auflösung der Deutschen Studentenschaft im Jahre 1933. Die Ämter für Leibesübungen

blieben jedoch - numnehr als selbständige Einrichtungen - bestehen. 26)

Die Errichtung des autoritären Ständestaates (1934-38) beeinflußte neben vielen Bereichen des alltäglichen Lebens auch

den Sport. Der komplette Sportbereich - so auch der Hochschulsport - wurde 1934 per Gesetz der neu geschaffenen

staatlichen "Österreichischen Sport- und Turnfront" unterstellt. 28)

Dem Zeitgeist entsprechend wurde 1937 das "Deutsche akademische Leistungsabzeichen" (1927 vom AfL eingeführt)

zunächst durch das "Akademische Wehrabzeichen"und später durch das "Akademische Wehrabzeichen Österreichs" ersetzt.

29) Neben rein sportlichen Grundvoraussetzungen in der Leichtathletik und im Schwimmen waren auch "wehrmäßige"

Übungen gefordert: Gepackmarsch, Handgranatenwerfen (Attrappe) und Kleinkaliberschießen.

Mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich begann das traurigste Kapitel der langjährigen Geschichte der

Turnanstalt.

Die Zeit des Nationalsozialismus

Als erste Maßnahme von reichsdeutscher Seite folgte eine völlige Umstrukturierung der bisherigen gesetzlichen

Grundlagen. Die Universitäts-Turnanstalt wurde dem Zuständigkeitsbereich der Universität entzogen, mit dem AfL

vereinigt, und als Abteilung 4 (freiwilliger Übungsbetrieb und Wettkampfsport) dem, neu geschaffenen "Hochschulinstitut

für Leibeübungen" (HIfLeingegliedert.30) Dr. Erwin Mehl, wurde zum Leiter der Abteilung ernannt. Die lange angestrebte

Führungsposition blieb MehI trotz hohem internationalen Ansehen und seiner "nationalsozialistischen Vergangenheit"

jedoch versagt. Nicht er, sondern sein ehemaliger Schüler Karl Schindl wurde zum provisorischen Leiter des HIfL bestellt

und somit Mehls Vorgesetzter. Inhaltlich wurde die "völkische Ideologie" (d.h. die Vermischung deutschnationalen

Gedankenguts mit den Ideen des Rassenantisemitismus), die von Erwin MehI vorsichtig aufbereitet worden war, unter der

Leitung von Dr. Karl Schindl systematisch fortgesetzt.

Nach Schindls Einberufung zur Wehrmacht, übernahm Erwin MehI ab 1940 die interimistische Leitung des Instituts. Bei der

definitiven Bestellung zum Leiter im Jahre 1943 wurde Mehl, erneut übergangen:

Erich Klinge der zuvor die Hochschulinstitute für Leibesübungen in Köln und Bonn geleitet hatte, wurde zum Direktor des

HIfL-Wien ernannt. 31) Auch unter Klinge wurden - wie schon zuvor bei Schindl und MehI - die Leibesübungen als Zweck

zur Vermittlung wehrtüchtigen Grundverhaltens enutzt. Während in den ersten Jahren nach der nationalsozialistischen

Machtergreifung der freiwillige Studentensport - hauptsächlich durch den Pflichtsport bedingt - stark zunahm, mußte der

Übungsbetrieb mit Fortdauer des Krieges stark eingeschränkt werden, bis schließlich die Institutstore geschlossen werden

mußten.

Der Wiederaufbau (1945-1970)

Was man nicht schon 1938 verloren hatte oder entzogen bekam, wurde durch den 2. Weltkrieg restlos zerstört.

Prof. Rudolf OTEPKA, der erste Nachkriegsdirektor, stand vor einem Trümmerhaufen. 32) Bevor jedoch an den

Wiederaufbau gedacht werden konnte, mußten zunächst organisatorische und strukturelle Maßnahmen getroffen, sowie

eine neue Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Im Mai 1945 wurde die Turnanstalt wieder eröffnet und gemeinsam mit dern Institut für Tumlehrerausbildung in den

Verband der Universität aufgenommen. 33)

Weiters wurde eine dem Hochschulinstitut für Leibesübungen analoge Institution geschaffen, die sogenannite

"Zentralanstalt für Körperkultur", die jedoch nur einen kurzen Bestand hatte. Statt ihr wurde 1946 die "Bundesanstalt für

Leibeserziehung" 34>BAfL) ins Leben gerufen. Der freiwillige Studentensport wurde als eigene Abteilung der BAfL

eingegliedert.

1946 wurde Rudolf Otepka zum Direktor der UniversitätsTurnanstalt und zum Leiter der Abteilung 5 der BAfL-Wien

ernannt. 35) Diese "Zwitterstellung" brachte nicht nur dienstrechtliche Probleme mit sich, sondern führte auch zu

kompetenzrechtlichen Streitigkeiten mit Kollegen, vor allem mit Dr. Hans Groll, dem fachlichen Leiter (seit 1946des

Institutes für Leibeserziehung (ehemals Institut für Turnlehrerausbildung). Die starre Haltung beider Persönlichkeiten

behinderte oft die Anliegen, die gemeinsame hätten sein können. Trotz niederschmetternder Ergebnisse bei der

Bestandsaufnahme der Räumlichkeiten und Sportgeräte begann Otepka vehement mit der Aufbauarbeit. Seinen eigenen

Angaben nach 36) galt es vorrangig die vorhandenen Räumlichkeiten notdürftig zu adaptieren, fremde Übungsstätten

anzumieten, geeignete Lehrer auszuwählen, Sportarten zu finden, die den Bedürfnissen der Studierenden entsprachen, und

nicht zuletzt eine finanzielle Basis zu schaffen. Dank Otepkas enormen Einsatz ist es tatsächlich gelungen die

Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.

Nach dem. Ausscheiden der Turnanstalt aus der BAfL-Abhängigkeit (1955) folgte eine bis dahin noch nicht vorstellbare

"Blütezeit". Otepkas Verdienste um die Universitäts-Turnanstalt, die 1965 mit der Verleihung des Titels "Hofrat" gewürdigt

wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen: 37)

Sportartspezifische Ausweitung auf 32 verschiedene Übungen und

Erhöhung auf 164 Übungszeiten

Personelle Ausweitung auf 60 Lehrer (Übungsleiter) und

120 UTA-Schilehrer, Schaffung von zusätzlichen Planposten.

Steigerung der Inskriptionen auf über 15 000! pro Semester

Weiters war Hofrat Otepka maßgebend am Aufbau des "Zentralen Hochschulsportausschusses", welcher 1959 ins Leben

gerufen wurde, beteiligt. Der "ZHSA" versteht sich als Gremium (gegenwärtig bestehend aus 2 Vertretern der Ministerien ,

aus den Direktoren sämtlicher Universitäts-Sportinstitute, dem Zentralsportreferenten der Hochschülerschaft und einem

dafür"beamten" Generalsekretär), welches die finanziellen und rechtlichen Grundlagen des freiwilligen Studentensports

regelt und für die Durchführung von internationalen Studentenwettkämpfen bzw. der Entsendung von Studenten/Innen zu

nationalen und internationalen Studentenwettkämpfen verantwortlich zeichnet.

Otepkas größtes, aber nie gelöstes Anliegen, war die Schaffung einer eigenen Sportstättle für den freiwilligen

Studentensport. Mitten in den jahrelangen, langwierigen Verhandlungen um den Neubau eines "Universitäts-

Sportzentrums" auf der Schmelz (Wien, 15. Gemeindebezirk) verstarb Rudolf Otepka am 7. Jänner 1970.

Die "goldenen Siebzigerjahre"

Nach den harten Jahren des Wiederaufbaus, der mit vielen Entbehrungen verbunden war, folgte in Österreich eine Zeit des

Wohlstandes, aber auch die Zeit eines neuen Körpergefühls, edrückt in einer expandierenden Fitnessbewegung. Sport war

"in" und man hatte wieder genügend Zeit und finanzielle Mittel um ihn auszuüben. Dieser Trend machte sich auch im

freiwilligen Studentensport bemerkbar.

Prof. Gernot Schindler, ehemaliger Direktorstellvertreter in der Ära Otepka, und seit 1. August 1970 Direktor der

Universitäts-Turnanstalt, durfte sich seit seinem Amtsantritt permanent steigender Teilnehmerzahlen erfreuen. Einen

zusätzlichen Teilnehmerboom. löste die Fertigstellung des "Universitäts-Sportzentrums" (Auf der SchmeIz) aus. In wenigen

Jahren verdoppelten sich die Inskriptionen. Diese Tatsache machte begleitende organisatorische Maßnahmen nötig. 38)

Unter Schindlers Regie wurden Teilbereiche der Verwaltung auf das Universitäts-Sportzentrum elagert und neue

Aufgabengebiete zugeteilt. Zur Erleichterung der Anmeldung wurden zusätzliche Anmeldezeiten angeboten und die ersten

Schritte ins EDV-Zeitalter wurden durch Anschaffung eines Kleincomputers getan. Mit der Einführung von "Jahresbetrieben"

wollte man die endlosen Warteschlangen bei der Anmeldung - zumindest für das Sommersemester - verkürzen. Schindler

weigerte sich strikt die Anmeldungen auf der Schmelz, wo weit großzügigere Büromöglichkeiten zur Verfügung standen,

durchzuführen, weil er fürchtete, daß die lange Anfahrt viele Studenten, besonders jedoch Akademiker - von den, der"UTA"

nahegelegenen Ministerien, abschrecken würde.

Durch das Inkrafttreten des,"Universitäts-Organisationsgesetzes"von 1975 wurde die Universitäts-Turnanstalt in

"Universitäts-Sportinstitut - (USI)" umbenannt.

Damit verbunden war der Wegfall eines Vorstandes der Anstalt. Schindler, der, wie sein Vorgänger "de iure" nur die

"fachliche Leitung" innehatte,übemahm ab diesem Zeitpunkt die "Gesamtleitung". Die Übungsstättennot, die durch den

Neubau des "USZ" kurzfristig gelindert werden konnte, wurde durch das explosionsartige Ansteigen der Teilnehmerzahlen

wieder akut. Die Forderung der Österreichischen Hochschülerschaft, an jeder neu zu erbauenden Universität Turnsäle bzw.

Sportstätten miteinzuplanen 39) schien damals Utopie zu sein, erwies sich jedoch als zukunftsweisend. Weitere

Bauvorhaben wurden erst in der Ära von Prof. Schmette verwirklicht. 1978 wurden Schindlers Leistungen um das Institut

mit der Verleihung des Titels zum Hofrat gewürdigt. Herbst 1979 beendete er seine erfolgreiche Tätigkeit und trat in den

Ruhestand. 40)

Das "Management Zeitalter" (1980 - Gegenwart)

Prof. Mag. Franz Schmette (1980-1989)

Das "Interregnum" zwischen Schindlers Pensionierung und Schmettes Bestellung dauerte eineinhalb Jahre und konnte erst

dadurch beendet werden, daß Prof. Schmette aus organisatorischer Überbelastung (ein freigewordener Dienstposten

konnte nicht nachbesetzt werden) im Sommersemester 1981 keine akademischen Meisterschaften durchführte und die

Studenten mit großen Anschlagtafeln darauf hinwies, sie mögen sich beim zuständigen Ministerium beschweren. Einen Tag

danach erfolgte bereits die ministerielle (mündliche) Zusicherung, daß Schmettes Ernennung im Sommer erfolge, und der

neue Planposten per 1.September besetzt werden könne. Gleichzeitig ersuchte man um Entfernung der AnschlagtafeIn.

Die Dynamik, die Franz Schmette bei dieser (prekären) Situation bewies, kennzeichnete auch die folgenden Jahre seiner

Amtszeit. Zunächst ersetzte er den unzulänglichen Kleincomputer durch eine komplette EDV-Anlage, sorgte für die

Vernetzung von USZ und Unihauptgebäude und schuf eine eigene Abteilung "Organisation und EDV", die mit Mag. Gerhard

Heinberg, einem WU-Absolventen, besetzt wurde. Nachdem sich die Elektronische Datenverarbeitung bei der ersten

Anmeldung (Inskripition) bewährt hatte, wagte Schmette das Experiment und bot den Studierenden Inskriptionsmöglichen

im Unihauptgebäude und im USZ an. Die Aktion zeigte durchschlagenden Erfolg.

Neben seinen Bemühungen im administrativen Bereich bestand sein großes Anliegen in der qualitativen Verbesserung

desÜbungsangebotes. Als erster USI-Direktor durchleuchtete er das Spartenangebot nach seiner gesundheitlichen Seite.

Großangelegte Reformen begannen, die sich wie ein roter Faden durch die komplette Angebotspalette zogen. Schmette

schuf eine eigene Abteilung "Lehrerfortbildung und Dokumentation", mit der Prof. Rudolf Otepka jun.) beauftragt wurde.

Dank Prof. Schmettes großem Engagement gelang es, absolute Spezialisten des Gesundheitswesens für die

Fortbildungsveranstaltungen deren Besuch für alle USI-Lehrer obligat war - zu gewinnen. Hier seien vor allem Prim. Prof.

Poigenfürst("Kniegelenk "), Prim.Prof. Tilscher("Möglichkeiten der Verhütung von Sportschäden" sowie "Funktionelle

Zusammenhänge des Stütz- und Bewegungsapparates"), Prof. Paul Haber("Medizinische Trainingslehre") und Dr.ErwinLanz

("Dehnen-Kräftigen-Bewegen") zunennen.

Prof. Otepkas; hohe fachliche Kompetenz führte dazu, daß die "lnformationsblätter" des Instituts, welche einen großen

Bereich des Breiten- und Spitzensports abdeckten, auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt wurden.

Dir. Schmette bildete sich selbst laufend fort und motivierte auch seine Mitarbeiter zum Besuch spezieller Seminare. Ich

erinnere mich noch gerne an die zum Teil gemeinsam besuchten Veranstaltungen im Nijmegen, Oslo und Oldenburg

(Themenkreis "international student masssport") in Bremen ("Ausdauersport") und besonders an den "Wellness-Congres"

des amerikanischen Arztes Dr. Kenneth H. Cooper, dem " Erfinder" des berühmten "Cooper Tests".

Er regte seine Mitarbeiter zu wissenschaftlichen Publikationen an und es entstanden wichtige Arbeiten im Bereich der

Methodik sowie der Biomechanik des Schilaufs (Kaiser) wie auch im Bereich sportmedizinischer und

trainingsphysiologischer Grundlagen des Lauftrainings (Benda).

Ein besonderes Anliegen Schmettes galt der Motivation der Studierenden, Sport zu betreiben. Er beauftragte 1984 Dr.

Roland Blässler mit einer Studie, 41) deren Ergebnisse für das nächste Jahrzehnt richtungsweisend für die Übungsbetriebe

sein sollten. Während Direktor Schmettes Amtszeit stiegen die Inskriptionen von 14 500 (WS 81/82) auf 39 000 (!)

Teilnehmer pro Jahr. 42)

1988 wurden Schmettes enorme Verdienste um das Institut mit der Verleihung des Hofratstitels gewürdigt. Auf Grund

seiner hohen Arbeitsbelastung - ein Zwölfstundentag im Büro war keine Seltenheit - erlitt Prof. Schmette einen

Schlaganfall, der zum Verlust eines Augenlichtes führte. 1989 reichte Schmette seine Pensionierung ein.

Prof. Mag. Rudolf Otepka (1990-1997)

1990 wurde Prof. Mag. Rudolf Otepka zum Direktor des US1-Wien ernannt. Prof. Otepka setzte erfolgreich die Arbeit HR

Schmettes fort und begann Konzepte zu erarbeiten, die die unerträglich gewordene Sportstättennot lindern helfen sollten.

Durch taktisches Geschick gelang es Otepka strategisch gut gelegene Übungsstätten für den Sportbetrieb in der

Althanstraße(WU- und USZ II- Nähe) und in der Grimmgasse (U4-Meidling) zu erschließen. 43) Im Studienjahr 1993/94

konnte unter der Regie Otepkas die komplette Übersiedlung vom USZ I ins USZ II erfolgen. Die neuen Büroräumlichkeiten

ermöglichten erstmals ein der Größe< und Bedeutung des Institutes adäquates Arbeitsklima. Ebenso wie sein Vorgänger

förderte Otepka die wissenschaftlichen Arbeiten seiner Mitarbeiter. 1996 gelang dem Leiter der Abteilung Schilauf, Prof. Dr.

Friedrich Kaiser, der durchschlagende Erfolg. Für seine 1992-1996 durchgeführten Untersuchungen über "

Druckverteilungsmessungen im Schischuh während des Schwingens " 44) erhielt Friedrich Kaiser den "Wissenschaftspreis".

Durch das neue Universitätsorganisationsgesetz (UOG) von 1993 stand das Sportinstitut plötzlich im "luftleeren Raum " , da

es nicht mehr wie im UOG 1975 - fix verankert war. Otepka erkannte den dringenden Handlungsbedarf und drängte das

zuständige Ministerium auf eine rasche Lösung. Aus heutiger Sicht kann zumindestens gesagt werden, daß der

"Hoffnungsschimmer am Horizont" durch Otepkas intensive Bemühungen schon etwas heller geworden ist. Dank Otepkas

außerordentlichen diplomatischen Fähigkeiten gelang es, daß die akademischen Behörden dem US1-Wien sehr wohlgesinnt

waren. Die neugeschaffene " Sportkommission", die ein Bindeglied zwischen dem Institut und dem akademischen Senat

darstellt, ist mit hervorragenden, anerkannten Persönlichkeiten der Universität Wien besetzt. Daß es gelang, Magnifizenzen

und Spectabilitäten für diese Einrichtung zu gewinnen, ist alleinig Prof. Otepkas Verdienst. Dank der neuen Situation

konnte das US1-Wien relativ unbürokratisch arbeiten.

"Die sich ergebenden Möglichkeiten wurden geschickt für ein sowohl quantitativ, als auch qualitativ weiter verbessertes

Sportangebot genutzt. Die vorhandenen Sportstätten und Sportheime wurden renoviert und den derzeit üblichen

Qualitlätsansprüchen angepaßt. Neue Sportstätten wurden in die Verwaltung übernommen und das dazu notwendige

Personal mit privatrechtlichen Arbeitsverträgen angestellt. 45)

Unter Prof. Otepka wurde erstmals die,,Schallmauer" von 50 000 Inskriptionen pro Jahr überschritten, und die Anzahl der

verschiedenen Sportarten stieg auf über 100.

Am 1. Oktober 1997 wurde Prof. Otepka in einer würdigen Feier im, Festsaal der Universität Wien verabschiedet und mit

dem. Verdienstkreuz der Republik Österreich geehrt. Es folgten weitere akademische Ehrungen.

Prof. Dr. Friedrich Kaiser (ab 1997)

Gleichzeitig mit der Verabschiedung Prof. Otepkas im Festsaal der UNI Wien, wurde Dr. Kaiser von Herrn Sektionschef Dr.

Wolf Frühauf (in Vertretung des Bundesministers) zum neuen Direktor des Universitäts-Sportinstitutes Wien bestellt.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte sich Prof. Kaiser angehäufter Altlasten zu entledigen. Von Prof. Otepka "bona fide"

erwirkte "Handschlagverträge" mit dem Stadtschulrat für Wien erwiesen sich als nicht haltbar. Das US1-Wien verlor eine

seiner attraktivsten Sportstätten - das "Schulschiff". Dank Kaisers Verhandlungsgeschick gelang eine relativ günstige

Schadensbegrenzung.

Spezielle gesetzliche Änderungen, wie etwa die"Werkvetragsregelung" oder die neue Sozialversicherungspflicht für nahezu

alle (USI-)Lehrer, die im letzten Dienstjahr Otepkas wie ein Damoklesschwert latent über dem USI hingen, wurden in der

"Ära Kaiser"zur Realität. Auch das "Kippen" 93 und die rechtliche Verankerung unseres Institutes sind "schwere Brocken"

die es noch zu lösen gibt.

Es wäre unkritisch Dr. Kaiser nach noch nicht einmal einem Jahr Tätigkeit als Direktor des US1-Wien zu beurteilen.

lch persönlich bin jedoch sicher, daß es ihm auf Grund seiner hohen fachlichen Kompetenz, seines enormen Engagements

und seiner Diplomatie gelingen wird, die anstehenden Probleme der Gegenwart und der Zukunft zu lösen.

1) Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 2

2) Franz Benda, 135 Jahre Universitätsturnanstalt Wien/ Universitäts-Sportinstitut Wien, in: USI-Jahresbericht 1982/83, S.

1-2

3) Friedrich Kaiser, Das Universitäts-Sportinstitut Wien - ein historischer Überblick. Festrede vom 7.6.1998 am

Rathausplatz.

4) Johannes Strohmeyer, Untersuchungen zur Entwicklung der Leibesübungen an den Schulen Wiens im 19. Jahrhundert

(bis zum Beginn des 1.Weitkrieges), Diss.1959, II. Teil, S. 410

5) Ebenda S. 298 f.; vgl. dazu Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 10

6) Ebenda

7) Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 139

8) Johannes Strohmeyer, Untersuchungen S. 304

9) Ebenda S. 304

10) Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 226 sowie 322

11) Johannes Strohmeyer, Untersuchungen S. 306

12) Ebenda S.308

13) Ebenda S.311

14) Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 495 und 496

15) Johannes Strohmeyer, Untersuchungen S.315

16) Archiv des USI-Wien, Akte Nr. 591; 654

17) Ebenda Nr. 602 und 650

18) Johannes Strohmeyer, Untersuchungen S. 318f.

19) Ebenda S. 319

20) Erwin Mehl, Die Leibesübungen an den Hochschulen Österreichs, in: Bundesturnzeitung 1925, S. 282

21) Hannes Strohmeyer, Die Anfänge des akademischen Sports in Österreich, in: BMfVK (Hg):

Universitätssportsymposium.21 - 23. Sept.1992 Leoben, Wien 1992,S. 31

22) Erwin Mehl, Die Leibesübungen, S. 282

23) Wilhelm Heinzl, Beiträge zum Wiener Hochschulsport 1918-38. Hausarbeit am Institut für Leibeserziehung der

Universität Wien 1976, S. 19

24) Ebenda S. 21

25) Hannes Strohmeyer, Die Anfänge, S. 32

26) Ebenda S.32

27) Ebenda S.33

28) Wilhelm Heinzl, Beiträge S. 30

29) Ebenda S.70

30) Rudolf Müllner, "Unser Körper gehört uns nicht selbst, sondern unserem Volk". Zur Geschichte des Schul- u.

Hochschulsports; im nationalsozialistischem Österreich. Diss.,Wien 1991, S. 243

31) Ebenda S.287

32) Franz Benda, 135 Jahre UTA/USI, S. 2

33) Rudolf Otepka, Aus der Geschichte der UTA, in: UTA-Nachrichtenblatt Folge 18 (WS 65/66) S. 4

34) Ebenda S. 4

35) Rudolf Otepka, 20 Jahre UTA, in: UTA-Nachrichtenblatt Folge 20 (WS 66/67) S. 3

36) Ebenda S. 3

37) Klaus Otepka, Das USI-Wien. Geschichte und Entwicklung ab 1945. Diplomarbeit am Institut für Sportwissenschaften

der Universität Wien 1994, S. 26

38) Ebenda S. 28

39) Franz Benda, Sportstätten an den Österreichischen Universitäten. Bestandsanalyse und Verbesserungsvorschläge. ÖHDokumentation

1977, S. 10

40) Klaus Otepka, USI-Wien, S. 28

41) Roland Bässler, USI-Wien, Eine Analyse der Teilnehmermotivation, des Inskriptionsverhaltens, der Zufriedenheit und

Vorstellungen und Bedürfnisse der Teilnehmer an den USI-Übungsbetrieben in Wien, Wien 1984

42) Klaus Otepka, USI-Wien, S. 71

43) Ebenda S. 30

44) Friedrich Kaiser, Druckverteilungsmessungen im Schischuh während des Schwingens und Entwicklung eines

akustischen Feedbacksystems für den Schiläufer. Wien 1992

45) Friedrich Kaiser, Das Universitäts-Sportinstitut Wien, Festrede